
A)
Einleitung
B)
Die physische Seite des
Problems
1) Bewegung als Ausgleich ist unerlässlich
2) Die richtige Haltung beim Arbeiten und Spielen am PC
C)
Die psychosoziale Seite
1) Die Gefahr der Zunahme aggressiven Verhaltens
2) Der Verlust von Sozialkontakten (Vereinsamung)
3) Jugendgefährdende Darstellungen im Internet
4) Internet- und Spielsucht
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A) Einleitung
Wer hätte
vor 10 Jahren gedacht, dass wir heute ohne Handys kaum mehr auskommen? Beim PC
ist es nicht s o „arg“ – aber dennoch: In kürze wird er in jeder
Wohnung stehen und damit denselben Weg gehen, den das Fernsehen gegangen ist.
Und auf den ersten Blick ist nach außen hin nichts passiert! Ich würde es
anders formulieren: Wir haben damit leben gelernt und die vielen negativen
Seiten einfach mehr oder weniger hingenommen, weil wir de facto keine andere
Wahl hatten...
Was ist
beim PC anders? Der PC kommt über die Schulen und die Kinder in die Familien!
Die Kinder werden diejenigen sein, die sich damit auskennen und es damit den Eltern
sehr schwer machen, sie auf diesem – „ihrem“ – Gebiet lenken zu wollen. Und die
Schule? Sind wir im Informatikunterricht und überall dort, wo der PC sonst noch
als Lernpartner eingesetzt wird, nicht verpflichtet, „über die Schule hinaus“
die nötigen Vorarbeiten zu leisten, damit der Computereinsatz daheim in die
rechten Bahnen gelenkt wird? „Schon wieder liegt es an uns Lehrern!“ höre ich
die Kollegen nicht ganz zu Unrecht klagen. „Die Gesellschaft wälzt wieder
einmal alles auf die Schule ab. Und überhaupt:
S o groß ist unser Einfluss gar
nicht!“
Ich meine,
wir m ü s s e n uns den Problemen stellen; und eigentlich
bereits, ehe wir den Startknopf drücken! Das bedeutet auch, den Gefahren ins
Auge zu sehen, um sie richtig einzuschätzen und danach das zu tun, was wir an
der vordersten Front tun können: keine hochphilosophischen Betrachtungen über
die Welt anzustellen, sondern uns darüber bewusst werden, dass Turbine und
Kraftwerk nichts auszurichten vermögen, wenn
w i r den Schalter nicht umlegen!
Ich möchte mehrere
Seiten der Einflussnahme betrachten: Was wir gegen Gefahren tun können, die
sich primär auf die physische Gesundheit beziehen; und dann auf jene Faktoren
eingehen, die die seelische und soziale Seite betreffen.
B) Die physische Seite des Problems
1) Bewegung als Ausgleich ist
unerlässlich
Wenn wir
uns unsere Kinder – insbesondere jene aus der reichen westlichen Welt - ansehen,
so müssen wir uns eingestehen, dass sie sehr wohlgenährt, um nicht zu sagen
übergewichtig sind. Dies ist nicht allein den Fastfood – Ketten, sondern
natürlich auch dem überlangen Sitzen nicht nur vor dem Fernseher, jetzt auch
noch vor dem Computer, zuzuschreiben.
Vor allem
die „Turnlehrer“ klagen, dass es mit der Entwicklung der Motorik unserer Kinder
nicht zum Besten steht. Heute können Kinder eher eine Computermaus bedienen als
einen Ball fangen!
Die Eltern
bzw. die Alleinerzieher haben sicherlich nicht die Zeit - und wohl auch nicht
die Lust – mit ihren Kindern genügend oft ins Freie zu gehen und dort mit ihnen
zu spielen. Im Gegenteil: Sie benutzen den Computer als eine Aufbewahrungsstelle,
bei der sie ihr Kind gut aufgehoben zu wissen meinen. Hier wäre dringend über die Medien gezielte – und ich scheue
dieses Wort nicht! – P r o p a g a n d a
nötig. Reine Information führt meiner
Erfahrung nach zu nichts, weil es die emotionale Seite des Menschen außer Acht
lässt. Das zeigen uns die Ergebnisse der erfolglosen Antiraucher- und Antidrogenkampagnen.
2) Die richtige Haltung beim Arbeiten und
Spielen am Computer
Richtige
Haltung beim allzu langen Sitzen ist den engagierten Lehrern schon immer ein
Anliegen gewesen. Wenn es auch manchmal fast zum Resignieren zwingt, was die Verwaltung an Dummheiten zu
tun in der Lage ist. So etwa gibt es neuerdings in den Klassen meiner
Hauptschule nur mehr e i n e Größe bei den Sitzmöbeln!! Und das, obwohl
Kinder in manchen Klassen sitzen, die ihre kleinen Klassenkameraden um 40 cm
überragen! Speziell bei den 12- bis
13-jährigen ist das nichts Außergewöhnliches. Nur die zuständige Schulbehörde
hat offensichtlich noch nie davon gehört... Gott sei Dank sehen die
Computerräume etwas anders aus; jedenfalls solang die Lehnen von einigen über-
oder unterforderten (jedenfalls aber unbeaufsichtigten) Schülern nicht ganz
abgeschraubt worden sind! In der Höhe verstellbare Drehsessel mit einer
entsprechenden Rückenstütze, besonders im Bereich der Lendenwirbelsäule, sind
ein erster Schritt in die richtige Richtung:
Ø
Die
Augen sollten sich in Höhe des oberen PC – Rahmens befinden
Ø
Die
untere Rückenhälfte sollte beim Sitzen an der Stuhllehne anliegen
Ø
Die
Arme sollten parallel oder knapp über der Ebene von Keyboard und Mauspad
positioniert sein
Ø
Der
Abstand zur Maus sollte so sein, dass der Arm nicht vorgestreckt und der
Oberkörper nicht zu weit vorgebeugt werden muss
Das allein
genügt aber nicht. Es ist absolut notwendig – insbesondere weil Informatik oft
zwei Stunden geblockt angeboten wird – zwischendurch Ausgleichsgymnastik zu
machen. Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass das oft von uns so bekämpfte
Herumrutschen auf den Sesseln eine im Grunde gesunde und damit zu duldende
Reaktion des Körpers auf das lange Sitzen ist. Nur wo die Ablenkung zu groß
wird und wo vor allem die Gefahr des Umfallens besteht, sollte der Lehrer
vorbeugend eingreifen.
Hier sind
vier Kernübungen im Überblick; vier wichtige Übungen sind dann genauer beschrieben.
Du kannst sie hier anklicken, um mehr darüber zu erfahren!

Übung 1
Sie sitzen aufrecht und lassen Ihre Arme locker herabhängen. Dann drehen Sie Ihre Handflächen, bis Sie einen leichten Widerstand spüren. Zählen Sie jetzt bis 5. Wiederholen Sie diese Übung dreimal in jeder Richtung.

Übung 2
Legen Sie einen Arm so hinter den Kopf, dass die Handfläche den Rücken berührt. Drücken Sie vorsichtig mit der anderen Hand den Ellenbogen in Richtung Gesäß, bis Sie einen angenehmen Widerstand spüren. Wiederholen Sie diese Übung mit dem anderen Arm. Diese Übung ist in Trainerkreisen unter dem Namen „Das Horn“ bekannt. Auch die Kinesiologie empfiehlt sie gegen Ermüdung und Kopfschmerzen.

Übung 3
Wenden Sie
Ihren Blick vom Monitor ab und schauen Sie wenn möglich nach draußen um ein
weit entferntes Objekt zu fokussieren. Dann sehen sie sich eine ihrer Daumenkuppen
ganz genau an, um danach das Auge wieder in die Ferne schweifen zu
lassen.
Die Augen erwärmen
Übung 4
Aus dem
Chi Gong kommt die vierte Übung: Handflächen warm reiben – dabei tief einatmen
– Augen schließen und die warmen Handflächen auf die Augen legen, wobei
ausgeatmet wird.
Übrigens: Computerbildschirme mit
mindesten 17“ wären wünschenswert, Flachbildschirme ideal, aber derzeit leider noch
zu teuer.
C) Die psychosoziale
Seite
1)
Die Gefahr der
Zunahme aggressiven Verhaltens
Sicher ist, dass das von uns so erwünschte Sich –
Abreagieren im Sinne einer Lorenz’schen Katharsis nicht stattfindet, insbesondere
nicht, wenn das Kind allein daheim gegen den Computer irgendein Brutalspiel
spielt. Im Gegenteil: Gewaltbereitschaft entsteht vermutlich dadurch erst, so
wie es uns die moderne Lernpsychologie zeigt.
Wie k ö n n t e dem abgeholfen werden?
Ø Die Eltern müssten sich ab und zu zum Kind an den Computer setzen und Interessantes und P a s s e n d e s aus verschiedensten Bereichen anbieten
Ø Die Computerspiele, die man dem Kind schenkt und die man auch fallweise mit ihm spielen sollte, sollten pädagogischen Grundsätzen entsprechen
Ø Die Benutzung des Internets müsste gezielt und vorerst unter Aufsicht erfolgen, sodass das Kind keinen Zugang zu Seiten mit gewaltverherrlichendem Inhalt bekommt
Ich brauche wohl nicht betonen, dass ich aufgrund über dreißigjähriger Erfahrung mit Eltern in zunehmendem Maß skeptisch geworden bin, dass allzu viele Eltern diesen Anforderungen auch nur im Entferntesten gerecht werden können, wobei ich manchen durchaus nicht den guten Willen absprechen möchte. Aber sie schaffen es einfach nicht (mehr)!
2)
Der Verlust von
Sozialkontakten (Vereinsamung)
Es ist keine Frage, dass der, der lange Zeit vor dem
Fernseher sitzt, notgedrungen weniger Sozialkontakte hat. Das Allein - vor -
einem - nicht - vernetzten - Computer - Sitzen, ist wohl nicht anders zu
bewerten. Hat man aber Internetanschluss, so sieht die Sache – abgesehen von
den Kosten für die Eltern natürlich! – bei weitem nicht so schlimm aus. Ehe
unsere Kinder irgendetwas etwa in „WORD“ schreiben können, beherrschen sie
schon ICQ und ähnliche Programme, die sie mit anderen in Verbindung treten
lassen. Und diese Kontakte werden ja dann meist in der realen Welt fortgesetzt.
Aus dieser Sicht würde ich die Gefahr der Vereinsamung also nicht als so
gravierend einschätzen, wenn die Eltern dafür sorgen, dass das alte lateinische
Sprichwort seine Gültigkeit behält: Est modus in rebus!
Rechtschreibung ist dabei für die Kinder allerdings leider kein Thema, wenn der oder die andere so ungefähr erraten kann, was gemeint ist. Aus der Sicht der Deutschlehrer ist das Einsteigen in einen Chatroom lebensgefährlich!
3)
Jugendgefährdende
Darstellungen im Internet
„Bewahren oder Bewähren?“ Das ist eine Grundfrage in der Erziehung; und sie ist heute ebenso wenig allgemeingültig beantwortbar wie vor Jahrhunderten. Sicher funktionieren die diversen Schutzprogramme, die den Eltern angeboten werden, auch nur eine gewisse Zeit – bis die Jugendlichen sie dann zu „knacken“ gelernt haben. Sinnvoller ist es allemal, die Dinge gemeinsam beim Namen zu nennen. Wer entsprechend gestählt ist, dem kann nicht sobald etwas schaden. Auch hier ist es wiederum das Vertrauensverhältnis zwischen Eltern und Kindern, worauf es letztlich ankommt. Freilich hab’ ich da meine Zweifel, aber wir Lehrer werden in diesem Punkt wenig zu einer positiven Entwicklung beitragen können. Hingegen sollte sich die Gesellschaft sehr wohl dessen bewusst sein, dass sie nicht alle Verantwortung an den leider nicht immer so mündigen Bürger a b s c h i e b e n kann.
4)
Internetsucht
Suchtgefahren gibt es viele, manche - wie der Alkohol zum Beispiel – werden totgeschwiegen; andere aus einer pädagogischen Modeströmung heraus erst interessant gemacht, weil man meint, man müsse von jeder Droge ihre chemische Zusammensetzung wissen. Natürlich ist das Surfen im Internet eine faszinierende Sache, wie die meisten von uns ja selber mittlerweile wissen. Und natürlich sind auch hier wieder die Erziehungsberechtigten gefragt, damit sie mit ihren Kindern gemeinsam ausmachen, wie lang der Junior oder das Mädchen online sein dürfen. Dadurch, dass es immer mehr Pauschalangebote bezüglich der im Internet verbrachten Zeit (wie etwa „Chello“) gibt, steigen die Kosten auch dann nicht, wenn das Kind fünf Stunden täglich surft und dabei andere wichtige Dinge – vor allem seine Gesundheit –vernachlässigt bzw. missachtet.
Mir persönlich – und dieser spekulative Beitrag ist bewusst sehr persönlich gefärbt – scheint vor allem in der abnehmenden Bewegungsbereitschaft eine nicht zu unterschätzende Gefahr zu liegen, die durch den Gebrauch bzw. Missbrauch des Computers verstärkt wird. Konnten wir früher Wanderungen von bis zu 6 Stunden schaffen, raunzen die Kinder heute schon, wenn es eine halbe Stunde leicht bergauf geht. Und über die körperliche Fitness können unsere Trainer ein Lied singen...
Die Gefahren im psychosozialen Bereich möchte ich zwar nicht herunterspielen, erachte sie aber nicht als größer als nach jeder technischen Neuerung in der Geschichte; gleichgültig, ob es sich dabei etwa um das Radio oder um den Fernseher gehandelt hat. Wir werden damit wohl oder übel leben lernen müssen!
Verwendete Literatur
Bücher:
Knebel, Herbeck, Schaffner: Funktionsgymnastik. Rowohlt 1988
Schwarz, Schweppe: Qi Gong easy. Humboldt 1994
Colleen Cordes / Edward Miller: Die pädagogische Illusion. Verlag Freies Geistesleben 2002
Beiträge aus dem
Internet:
Ergonomie – Tipps zur Arbeit am Computer: http://www.kidsware.net/html/ergonomie.html
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