Österreich und die Welt:
 
Von der Zwischenkriegszeit bis zur Gegenwart.
Fragen und Antworten

 

 

Vorwort

 

Der vorliegende Fragen-Antworten-Katalog ist aus der Not der Praxis entstanden.

 

So sieht es aus: Ein Kapitel wird bearbeitet und das Wesentliche zusammengefasst. Alles wird getan, damit das Wichtige „hängen bleibt“, der Unterrichtsertrag also gesichert wird.

 

Lehrer sind aber manchmal auch misstrauisch und glauben nicht jedem Kind, dass es dann auch noch daheim wirklich entsprechend wiederholt, sprich: gelernt hat. Also muss bisweilen eine mündliche oder schriftliche Leistungsüberprüfung erfolgen!

 

Die Buchautoren – im vorliegenden Fall Michael Lemberger – stellen daher an das Ende jedes Kapitels einen Fragenkatalog. Wenn man diese Fragen beantworten kann, dann darf man jeder Prüfung getrost entgegensehen.

 

Nur – und jetzt kommt’s: Wo findet man bloß die Antworten auf die Fragen? Alle im Heft ausarbeiten würde so viel Zeit in Anspruch nehmen, dass man die doppelte Stundenanzahl bräuchte! Wir haben versucht, sie in Gruppen ausarbeiten zu lassen, damit die schwächeren Schüler  einen gewissen „Halt“ durch die leistungsfähigeren Gruppenmitglieder bekommen. Aber leider: Auch diese Lösung scheiterte in manchen Gruppen, weil das den Sinn erfassende Lesen – vor allem bei Kindern, deren Muttersprache nicht Deutsch ist – so schlecht ausgebildet ist, dass einige Antworten ohne Lehrerhilfe einfach nicht gefunden werden konnten.

 

Ich habe daher alle Antworten ausgearbeitet und stelle sie zur Verfügung. Wie der einzelne Lehrer sie methodisch sinnvoll einsetzen will, sei ihm überlassen. Ebenso natürlich, wie und ob Schüler damit arbeiten wollen.

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Diktatur in Österreich. 4

 

Der 2. Weltkrieg – wie alles begann. 6

 

Die Ausweitung zum Weltkrieg und der „totale Krieg“. 8

 

Massenvernichtung von Menschen im NS - Machtbereich. 10

 

Österreich als Teil des NS – Staates: die „Ostmark. 12

 

Sieger und Verlierer – die Staatenwelt nach 1945 und die Gründung der UNO.. 14

 

Das Entstehen der Machtblöcke. 16

 

Das Zeitalter des Kalten Krieges - Wettrüsten und Stellvertreterkriege. 20

 

Entspannungspolitik und der österreichische Staatsvertrag. 23

 

Auflösung der Kolonialreiche. 25

 

Der Zusammenbruch des Ostblocks u. d. Ende d. Kalten Kriegs. 27

 

Die neue Weltordnung und die Folgen für Österreich (1992 bis heute). 29

 

Gesellschaft und Politik in Österreich - der Mensch als Mitglied der Gemeinschaft 32

 

Österreich heute. 34

 

Übrigens: Mit der Tastenkombination STRG + POS 1 kommst du immer zum Anfang zurück!

 

Diktatur in Österreich

 

 

Welche Gegensätze prägten die österreichische Innenpolitik nach 1918?

 

Nach dem Ende der Koalitionsregierung - bedingt durch gegensätzliche Standpunkte zum Wehrgesetz - bildeten die Christlichsozialen eine Alleinregierung.

 

Demokratische Kompromisslösungen waren den Politikern dieser Zeit fremd und so rüsteten die beiden großen Kontrahenten  „Privatarmeen“ aus: die Christlichsozialen, hinter denen auch Polizei und Bundesheer standen, gründeten die Heimwehren, die Sozialdemokraten den Republikanischen Schutzbund.

 

Das Fehlurteil von Schattendorf, in dem Heimwehrleute frei gesprochen wurden, obwohl sie zwei unbewaffnete Sozialdemokraten erschossen hatten, führte dazu, dass eine empörte Menschenmenge den Justizpalast in Brand setzte. Die Polizei erhielt Schießbefehl und es gab fast 90 Tote und viele Verwundete.

 

 

Welche Ziele verfolgten die Sozialdemokraten in Wien?

 

Wien führte eine Sondersteuer für die Reichen – die Wohnbausteuer – ein und begann mit einem beispiellosen Wohnbauprogramm. Die ersten Gemeindebauten des so genannten „Roten Wien“ boten einen für die damalige Zeit einmaligen Komfort und waren ein Modell jener Arbeiterkultur, wie sie den Sozialdemokraten vorschwebte. Kinderfreibäder wurden gebaut, öffentliche Ausspeisungen sicherten den Menschen zumindest eine warme Mahlzeit pro Tag. Und es kam zu einer Reform des Bildungs- und Gesundheitswesens (gemeinsamer Unterricht von Buben und Mädchen,  schulärztliche Untersuchungen usw.)

 

 

Wie kam es zur Errichtung des Ständestaates?

 

Durch einen Abstimmungsfehler regierte Bundeskanzler Dollfuß mittels einer Notstandsver­ordnung und löste das Parlament auf. Nach und nach wurden die Sozialdemokraten entmachtet, die Landtage aufgelöst, die Gewerkschaften verboten.  1934 brach schließlich ein Bürgerkrieg aus, der zur totalen Niederlage des Schutzbundes und zum Verbot der Sozial­demokratischen Partei führte. Österreich wurde zum Ständestaat, dessen Vorbild das faschistische Italien Mussolinis war. Mitglieder einer Berufsgruppe wurden zu einem Stand zusammengefasst und sandten Vertreter in ein Scheinparlament, in dem allerdings Dollfuß praktisch autoritär regierte. Die „Vaterländische Front“ wurde zur Einheitspartei, politische Gegner, auch die illegal bereits in Österreich tätigen Nationalsozialisten, wurden in Anhaltelagern interniert.

 

 

 

Was begünstigte den Machtzuwachs der Nationalsozialisten in Österreich?

 

1934 unternahmen die Nationalsozialisten einen Putschversuch und ermordeten Bundeskanzler Dollfuss. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage und des politischen Drucks von innen und außen gewann die Anschlussidee immer mehr Befürworter.  Als dann 1935 Mussolini Hitlers Truppen gegen Äthiopien brauchte, verlangte Hitler im Gegenzug von ihm, den Schutz Österreichs aufzugeben.

 

 

Wie kam es zum Anschluss?

 

1938 setzte Schuschnigg alles auf eine Karte und schrieb für den 13. März  eine Volksbefragung zum Thema „Soll Österreich ein selbständiger Staat bleiben?“ an. In seiner berühmten Rede beschwor er die Einheit - zu spät auch mit den Sozialdemokraten!„Wir weichen der Gewalt.“ „Rot - Weiß – Rot bis in den Tod!“ Hitler kam der Abstimmung zuvor und deutsche Truppen marschierten am 12. März in Österreich ein und beendeten dessen Unabhängigkeit für 7 Jahre. Nur ein einziges Land im Völkerbund protestierte: Mexiko.

 

 

 

Der 2. Weltkrieg – wie alles begann

 

 

Auf welche Weise bereitete die NS – Führung den Krieg vor?

 

Erste Ankündigung schon in Hitlers Buch „Mein Kampf“ (haben viele offensichtlich nicht genau gelesen, sonst hätten sie ihn vermutlich nicht unterstützt!): „Wir sind überbevölkert“; „Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“ (Lied)

 

Der 2. Vierjahresplan 1936 war auf der Umstellung der Wirtschaft in Richtung Kriegsrüstung aufgebaut.

 

Besondere Förderung der Bauern, damit die Nahrungsmittelversorgung auch im Krieg aufrechterhalten werden kann.

 

Besondere Hochachtung und Förderung der Mutterschaft („Mutterkreuz“)

 

Täuschung der Weltöffentlichkeit durch Abhaltung der „Friedensspiele“: Olympische Spiele 1936 in Berlin.

 

Antikominternpakt mit Japan zur Eindämmung des Kommunismus.

 

Probegalopp für die deutsche Wehrmacht – im Speziellen für die Luftwaffe – durch ein Eingreifen auf Seite der Faschisten unter Franco in Spanien.

 

Der Einmarsch in Österreich 1938 ließ die Welt kalt…(„Die sprechen ohnedies deutsch und Nazis sind sie auch!“)

 

 

In welche Konflikte griffen die Achsenmächte ab 1936 / 37 militärisch ein?

 

In Abessinien 1935; in den Spanischen Bürgerkrieg 1936 – 39; in Albanien (Besetzung 1939); Japan hatte schon 1931 einen Teil Chinas (Mandschurei) besetzt.

 

 

Welche Abmachungen wurden im Münchner Abkommen getroffen?

 

Der Forderung Hitlers an die Tschechoslowakei, die mehrheitlich deutschsprachigen Gebiete (Sudetenland, Südböhmen) an das deutsche Reich abzutreten, wurde entsprochen, nachdem die Regierungen der Tschechoslowakei, Italiens, Englands und Frankreichs ihre Zustimmung gaben. Hitler verpflichtete sich danach, keine weiteren Gebietsansprüche mehr zu stellen – und man glaubte ihm! 1939 bereits besetzten deutsche Truppen „Rest – Tschechien“, worauf Polen, Frankreich und Großbritannien ein Abkommen zur Sicherung weiterer Gebietsansprüche in Polen schlossen.

 

 

Was bedeutet „Blitzkrieg“?

 

Geheime Vorbereitungen wie Absprachen und Massierung von Kampfverbänden (Panzerarmeen, Kampfbombergeschwader), um einen Stellungskrieg wie im 1. WK zu vermeiden. Polen wurde so in kurzer Zeit besiegt.

 

 

Welche Gebiete besetzte die Deutsche Wehrmacht bis Mai 1941?

 

Zuerst Polen, wobei sich Hitler auf die fehlende Verbindung zwischen West- und Ostpreußen, wie sie nach dem 1. WK den Deutschen aufgezwungen worden war, und auf unbedingt benötigten Lebensraum in Osten ausredete. Diesmal aber griffen Großbritannien und Frankreich auf Seiten Polens in den Krieg ein, konnten die Niederlage aber nicht verhindern, weil Hitler in einem Geheimpakt mit Stalin („Nichtangriffspakt“) eine Aufteilung Polens verabredet hatte. Stalin besetzte auch noch die Baltischen Staaten und das heutige Moldawien So kam es auch nicht zum gefürchteten Zweifrontenkrieg. Im Gegenteil: Dänemark und Norwegen, später die Niederlande, Belgien und Luxemburg und schließlich Frankreich wurden in unfassbar kurzer Zeit besiegt, wobei ab 1940 auch Italien auf Seiten Deutschlands in den Krieg eintrat, war es doch an den Balkanstaaten und an Griechenland interessiert, die allerdings erst mit Hilfe der Deutschen Wehrmacht 1941 besiegt werden konnten. Somit war Hitler am Höhepunkt seiner Macht.

 

 

 

 

Die Ausweitung zum Weltkrieg und der „totale Krieg“

 

 

Was bewog das NS-Regime zum Angriff auf die UdSSR?

 

Hitler wollte den Lebensraum der Deutschen ausweiten und er unterschätzte die Aufrüstung des russischen Heeres unter Stalin.

 

Wodurch wurde der Krieg zum Weltkrieg?

 

Japan, das vorerst – so wie Deutschland – mit der UdSSR einen Nichtangriffspakt schloss, versuchte in Ostasien (Französisch-Indochina usw.) weiter Land zu gewinnen. Die USA reagierten mit Handelsblockaden, wonach Japan den amerikanischen Flottenstützpunkt Pearl Harbor zerstörte. Damit griff die USA auf Seiten Frankreichs, Englands und der UdSSR in den Krieg ein.

 

 

Wie kam es zur Kriegswende?

 

Im pazifischen Raum eroberten die Amerikaner ein Gebiet nach dem anderen zurück. Japan gab aber vorerst nicht auf.

 

In Nordafrika wurden die deutsch-italienischen Truppen bei El Alamein (Ägypten) von den Engländern besiegt.

 

Im Extremwinter 1942 brach der deutsche Angriff bei Stalingrad zusammen. 300 000 Soldaten wurden eingekesselt, von denen nur 6 000 zurückkehrten…

 

In Europa machte sich die materielle Überlegenheit der Alliierten gegenüber den Achsenmächten immer deutlicher bemerkbar. Das englische Radar machte den deutschen U-Booten schwer zu schaffen, und nach und nach konnten die deutschen Jagdflugzeuge den Luftraum über Deutschland nicht mehr sichern. Die Bombardements deutscher Städte forderten immer mehr Opfer unter der Zivilbevölkerung.

 

 

Was verstand die NS-Führung unter „totalem Krieg“?

 

Wenn Deutschland untergeht, dann sollen alle Deutschen mit untergehen! Siehe S. 52, M-1 (Sportpalastrede des Propagandaministers Josef Goebbels)

 

      

Warum musste das NS – Regime kapitulieren?

 

Die deutschen Reserven an Material, aber auch an Menschen, waren durch Bombardements und hohe Verlusten bei den Soldaten erschöpft.

 

1943 landeten die Alliierten in Süditalien. Mussolini wurde gestürzt und eine neue Front tat sich im Süden auf.

 

1944 landeten die Alliierten in der Normandie

 

Die Rote Armee drängte die Deutsche Wehrmacht mehr und mehr zurück und stand im April 1945 vor Berlin. Hitler beging in seinem Bunker Selbstmord und Deutschland bat um Waffenstillstand.

 

 

Welche Ideen vertreten Rechtsextreme?

 

Sie verherrlichen die Ideen der Nationalsozialisten. Kriegsverbrechen und die Massenvernichtungen (z. B. der Juden) werden geleugnet.

 

Wer Leitsprüche und Symbole der Nazis (z. B. das Hakenkreuz) verwendet, gilt als „Neonazi“

 

In Österreich ist die so genannte „Wiederbetätigung“ strengstens verboten.

 

Es gibt aber rechtsextreme Gruppen (z. B. manche Skinheads), deren Ideen mit denen der Nationalsozialisten verwandt sind: dazu zählen die ablehnende Haltung gegenüber unserer demokratischen Staatsform, Nationalismus, Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen sowie das Denken in Feindbildern.

 

 

Welche Folgen hatten die Atombombenabwürfe?

 

Im August 1945 warfen die Amerikaner zuerst eine Atombombe auf Hiroshima, dann auf Nagasaki  ab. Die verheerenden Folgen (siehe S. 54, M-1) ließen die Japaner endlich einlenken. US-Truppen besetzten Japan, die Insel Sachalin fiel an die UdSSR.

 

 

 

Massenvernichtung von Menschen im NS - Machtbereich

 

 

Was versteht man unter NS-Rassenwahn?

 

Im 19. Jhdt. glaubten „Wissenschaftler“ nach Schädeluntersuchungen, dass es eine von der Vorsehung (wie Hitler sich gern ausdrückte!) bevorzugte Rasse gäbe. Die Nazis waren von der Idee der Überlegenheit dieser „arischen Rasse“ überzeugt. Der so genannte „Herrenmensch“ war groß, blond und blauäugig. Allerdings entsprachen weder Hitler noch sein Propagandaminister Goebbels dieser Vorstellung! Alle anderen – voran die Juden! – waren „Untermenschen“ deren Leben als unwert galt. Dazu zählten alle, die auch nur irgendwie anders aussahen, waren oder dachten als die Nazis.

 

 

Welche Feindbilder hatte die NS-Führung?

 

So genannte Asoziale, politische Gegner, Homosexuelle, unheilbar und chronisch Kranke, geistig Behinderte,  religiöse Gruppen und Sekten, Kriminelle, Zigeuner (Roma und Sinti) und natürlich die Juden.

 

Man schaltete diese Menschen nach und nach aus, verwehrte ihnen Berufungen vor Gericht, brachte sie in Konzentrationslager, sterilisierte sie „zum Zweck der Reinerhaltung der Rasse“ und brachte sie schließlich um („Euthanasie“)

 

 

Was bedeutet Antisemitismus?

 

Judenfeindlichkeit gab es seit dem Hochmittelalter, wo man die Juden nur in bestimmten Teilen der Städte und Dörfer (Ghettos) leben ließ. Sie durften kein Handwerk ausüben und keinen Grund und Boden besitzen. Sie verlegten sich daher aufs Verleihen von Geld, wofür sie Zinsen verlangten, um davon leben zu können. Immer wieder veranstaltete man (unter der Führung rückzahlungsunwilliger Schuldner) so genannte „Pogrome“ (Hetzen, Aus­schrei­tungen, Verbrennungen auf dem Scheiterhaufen usw.) Auch ihre meist höhere Bildung und die Überzeugung, Mitglieder eines auserwählten Volkes zu sein, trug ebenso dazu bei, dass sie andere ablehnten, wie ihre besondere Art sich zu kleiden, den Bart zu tragen u. v. a. m.

 

Im 20. Jhdt. lebte die überwiegende Mehrheit der Juden in Osteuropa, da es einen eigenen Staat damals noch nicht gab. Nur wenige waren reich und wurden von Hitler stellvertretend für die Mehrheit der armen Juden öffentlich als  Schuldige hingestellt, gegen die sich der Volkszorn richten durfte und sollte! Die gebildeten Juden dachten häufig liberal oder sozialdemokratisch und waren von daher schon Feinde des autoritären Nationalsozialismus.

 

 

 

Welche Maßnahmen ordnete die NS-Führung im Zusammenhang mit der Judenverfolgung in den Jahren 1933 – 1941 an?

 

Vorerst sollten möglichst viele der etwa 500 000 Juden aus Deutschland vertrieben werden. Man demütigte und schikanierte sie, sodass mehr als die Hälfte von ihnen freiwillig das Land verließ. Sie mussten meist alles zurücklassen, ehe sie auswandern durften.

 

1935 wurde die „Nürnberger Gesetze“ erlassen. Berufsverbot, Kennzeichnung der Pässe, Vermögensablieferung, Verbot des Heiratens mit Ariern usw. waren die Folgen, die die nunmehr öffentlich als „Parasiten“ Bezeichneten ertragen mussten. Der Gipfel war das Novemberpogrom 1938 – das von den Nazis „Reichskristallnacht“ genannt wurde.

 

 

Was bedeutet „Holocaust“?

 

1939 – 1941: Ghettobildungen in den eroberten Gebieten des Ostens (Polen usw.)

 

941 – 1945: Gezielte „Vernichtung durch Arbeit“ in Konzentrationslagern

 

Ab 1942: Beginn der so genannten „Endlösung“ (Vergasen und Verbrennen in eigenen „Vernichtungslagern“, etwa in Auschwitz)

 

Am Ende des 2. WK waren es rund 6 Millionen, die so umkamen; ein Viertel davon Kinder und Jugendliche…

 

 

 

Österreich als Teil des NS – Staates: die „Ostmark

 

 

Wie kam es zur Errichtung der NS – Herrschaft in Österreich

 

Am 12. März 1938 hörte Österreich für 7 Jahre zu bestehen auf. Die Aufgaben der Landesregierungen übernahmen die so genannten Reichsstatthalter. In Österreich war der Reichsstatthalter zugleich Gauleiter (die NSDAP, war in Gaue unterteilt), sodass Staat und Partei in einer Person – quasi dem Stellvertreter des Führers – vereint waren.

 

Zwar bekamen verdiente illegale österreichische Nationalsozialisten wichtige Posten, die entscheidenden aber erhielten Parteigenossen aus dem „Altreich“.

 

„Unzuverlässige“, vor allem nicht arische Beamte wurden entlassen, die Polizei der SS unterstellt.

 

Ab dem 1. Mai 1939 hieß das Land dann „Ostmark“

 

.

Welche Folgen hatte die NS – Machtergreifung für die Juden?

 

Sobald der „Anschluss“ verkündigt wurde und noch bevor deutsche Soldaten in Wien waren, kam es bereits zu „Racheakten“ an der jüdischen Bevölkerung: Plünderungen, Verwüstungen, „Reibpartien“, Vertreibungen usw.  Judenfeindliche Gesetze ermöglichten es dann auch, unter dem Deckmantel der „Arisierung“, jüdisches Eigentum zu Billigstpreisen zu „erwerben“.

 

Seit 1947 leistet Österreich Entschädigungszahlungen. Aber erst 1995 wurde ein Nationalfond vom Parlament bewilligt, um die wenigen  noch Überlebenden mit einer Einmalzahlung von 5 000 Euro „abzufinden“…
Damit sollte dann ein Schluss-Strich gezogen werden, weil die noch arbeitende Generation ja nicht mehr mit Schuld belastet ist, kennt sie die Geschichte doch nur mehr aus dem Unterricht oder aus Büchern und Filmen. Es muss auch letztlich zu einem Vergeben kommen – nicht aber zu einem Vergessen!

 

 

Wie wirkte sich die NS-Herrschaft auf die Wirtschaft aus?

 

Der gesamte Goldschatz der österreichischen Nationalbank wurde in die Deutsche Reichsbank transferiert. Die österreichische Wirtschaft wurde Teil des Vierjahresplans. Da in Österreich Geschütze, Panzer, Flugzeuge, Motoren und Munition erzeugt werden sollten, entstanden neue Betriebe, die den Menschen Arbeit brachten. Ab 1940 reichten die inländischen Arbeitskräfte nicht mehr aus, sodass  man verschleppte Ausländer aus den besetzten Gebieten, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge als zusätzliche Arbeitskräfte heranzog. Die Zwangsarbeiter erhielten einen sehr geringen Lohn – nur gerade soviel, dass sie ihre Arbeit verrichten konnten, ohne daran zugrunde zu gehen. Auch hier reagierte Österreich sehr spät: Erst im Jahr 2000 entschloss man sich aufgrund des immer größer werdenden amerikanischen Drucks, jedem Überlebenden bis zu 7 600 Euro zukommen zu lassen. Allerdings kamen hunderttausende nicht mehr in den Genuss dieser späten „Entschädigung“…

 

 

Welche Rolle spielten Österreicher im NS-Regime?

 

Es darf nicht verschwiegen werden, dass ein unverhältnismäßig hoher Anteil der ehemals österreichischen Bevölkerung dem Nationalsozialismus vorerst begeistert gegenüberstand und dass leider auch unter den prominenten Nazitätern viele Österreicher waren: Kaltenbrunner war für den SS-Terror und den Holocaust zuständig. Dejaco plante die Gaskammern, Eichmann galt als besonders grausam.

 

Daneben gab es viele Mitläufer, die öffentlich keine Meinung äußerten; zum Teil, weil sie Angst hatten, zum Teil, weil sie vieles insgeheim für gut hießen, was die Nazis taten.

 

 

Was bewirkte das Entstehen eines Österreichbewusstseins?

 

Von Anfang an, besonders aber nach der Niederlage in Stalingrad und der „Moskauer Deklaration“ (1943), die ein Wiedererstehen Österreichs versprach, gab es auch Menschen in Österreich, die aktiven Widerstand leisteten. Kommunisten, ehemalige Sozialdemokraten, aktive Christen und Militärs arbeiteten hier an einem gemeinsamen Ziel: Österreich neu erstehen zulassen.

 

 

Was bedeutet „O5“?

 

Die größte Widerstandsgruppe im Raum Wien wurde von Major Szokoll geleitet und hieß „O5“. Leider wurden seine Kampfgefährten Major Biedermann, Hauptmann Huth und Oberleutnant Raschke in den letzten Tagen vor dem Ende des Krieges verraten, gefoltert und hingerichtet. Sie sind die wahren Helden dieser Zeit. Unter anderem verdanken wir es ihnen, dass Wien in den letzten Kriegstagen nicht vollkommen zerstört wurde („Operation Radetzky“)

 

 

 

Sieger und Verlierer – die Staatenwelt nach 1945 und die Gründung der UNO

 

 

Welche europäischen Staaten erhielten nach dem 1. WK neue Grenzen?

 

Die UdSSR erhielt das heutige Estland, Lettland und Litauen, einen Teil Ostpreußens und Gebiete Polens.

 

Dafür bekam Polen Teile Deutschlands. Italien musste Istrien an Jugoslawien abgeben.

 

Die Tschechoslowakei und Österreich wurden in ihren Grenzen vor 1938 wiederhergestellt.

 

 

Welche Folgen hatte das Ende des 2. WK für die deutsche Bevölkerung in der Tschechoslowakei, in Polen und in Ungarn?

 

An der deutschsprachigen Bevölkerung wurde insbesondere in Tschechien Rache geübt. Man enteignete die Menschen und vertrieb sie nach Österreich und Deutschland („Benes-Dekrete“) 

 

 

Welche Veränderungen brachte das Ende des 2. WK für Japan?

 

Japan verlor alle seit 1854 eroberten Gebiete auf dem asiatischen Festland, verlor die Kurileninseln an die UdSSR und wurde von US-Truppen besetzt. Außerdem erzwangen die Amerikaner eine „Umschulung“ der Bevölkerung in Richtung Demokratie, was den „Tenno“ (gottähnlichen Kaiser) um seine Sonderstellung brachte.

 

 

In welchen Schritten erfolgte die Wiedererrichtung Österreichs?

 

Im Oktober 1943 beschlossen die Vertreter der USA, der UdSSR und GB die Wiedererrichtung der Österreichischen Republik in den Grenzen vor 1938, sofern sich Österreich, dem eine Teilschuld zuerkannt wurde, nach Kräften an der Wiederherstellung seines Staates beteiligt; das heißt: Widerstand gegen Hitler leistet (was auch geschah – „O5“)

 

Österreich wurde von den 4 alliierten Mächten befreit und besetzt, wobei die UdSSR den ganzen Osten beherrschte. Der 1. Staatskanzler der 1. Republik (Karl Renner) bot den Sowjets an, eine vorläufige Regierung zu bilden, die von den anderen Siegermächten aber vorerst mit Misstrauen betrachtet wurde, weil neben SPÖ und ÖVP auch die KPÖ in der neuen Konzentrationsregierung vertreten war. Sie beschloss in einer gemeinsamen „Unabhängigkeitserklärung“ die Wiederherstellung der Republik gemäß der Verfassung von 1920.  Aufgrund von Willkür und Übergriffen in der Sowjetzone erteilten die Österreicher den Kommunisten bei den ersten freien Wahlen im November 1945 eine Abfuhr, was das Zusammenwachsen der 4 Besatzungszonen zu einem neuen Österreich erleichterte.

 

 

 

Welche Ziele hat die UNO?

 

Gründung im Juni 1945 in San Francisco durch vorerst 50 Länder. Heute sind fast alle Staaten dieser Erde Mitglieder der Vereinten Nationen (191). Arbeitssprachen sind Englisch, Französisch, Spanisch, Russisch, Chinesisch und Arabisch.

 

Jährliche Generalversammlung im UNO-Hauptquartier in New York. Sie kann aber nur Empfehlungen abgeben. Der ehemalige österr. Bundespräsident Dr. Kurt Waldheim war 5 Jahre lang UNO-Generalsekretär. Heute (2007) ist es der aus Südkorea stammende Ban Ki Moon.

 

Die eigentlichen Beschlüsse fasst der Welt-Sicherheitsrat, dem 5 ständige Mitglieder (USA, Russland, China, GB und F) und 10 nichtständige Mitglieder (wechseln alle 2 Jahre) angehören. Entscheidungen müssen mit einer Mehrheit von 9 Stimmen getroffen werden. Die ständigen Mitglieder haben ein Vetorecht.

 

Der erste bedeutsame Beschluss war die „Erklärung der Menschenrechte“ im Jahr 1948.

 

Die Aufgabe der UNO ist die Friedenssicherung durch die „Blauhelme“,  wobei dieser Friede notfalls auch erzwungen werden kann (Sanktionen). Österreichische Soldaten waren lange Zeit auf Zypern tätig und sind es noch auf den Golanhöhen zwischen Israel und Syrien und im Kosovo.

 

Vor allem die Teilorganisationen leisten von ihren Standorten aus unverzichtbare Arbeit für die Menschen. Beispiele: WHO, FAO, UNESCO, UNICEF, UNHCR usw. Der Internationale Gerichtshof – die letzte Instanz dieses Planeten - befindet sich in Den Haag in den Niederlanden.

 

Wichtig ist auch die Zusammenarbeit mit den so genannten NGOs, die – unabhängig von ihren Regierungen – Vorschläge machen können und als Berater angehört werden. So z.B. Greenpeace, Global 2000, Amnesty International usw.

 

Neben New York, Washington, Genf, Bern, Nairobi, Paris und Rom ist auch Wien Sitz von UN-Organisationen: IAEA und UNIDO haben hier ihren Sitz (UNO-City)

 

 

 

Das Entstehen der Machtblöcke

 

 

Wie kam es zur politischen Teilung Europas?

 

In den von Sowjettruppen besetzten Staaten unterstützte die Rote Armee massiv die dortigen Kommunistischen Parteien und fasste nationale Widerstandsgruppen in so genannten „Patriotischen Fronten“ zusammen. Nach und nach wurden dann die demokratisch gewählten Regierungen entmachtet und so genannte „Volksdemokratien“ gegründet.

 

Die Westmächte und vor allem die USA übertrugen in den von ihnen besetzten Gebieten die politische Macht den frei gewählten Regierungen. Ab 1947 traten sie jeder weiteren Ausdehnung des Machtbereichs der Sowjetunion entschieden entgegen; so zum Beispiel in Griechenland und in der Türkei (Bosporus-Konflikt)

 

 

Welche Wirtschaftsblöcke entstanden in Europa?

 

Staaten, die mit den USA zusammenarbeiteten, wurden von ihnen wirtschaftlich beim Wiederaufbau unterstützt („Marshall-Plan“).

 

Die Sowjetunion verbot ihren Vasallenstaaten die Teilnahme und gründete zur gegenseitigen Wirtschaftshilfe ihrerseits den „Comecon“.

 

1951 schlossen sich F, I, B, Lux, die BRD und die NL zur EGKS zusammen, woraus später die erweiterte EG, dann die EU werden sollte. Wirtschaftlich ist dieser Markt zwar sehr stark, politisch gibt es aber bis heute große Probleme, um zu einem einheitlichen Vorgehen zu gelangen. Zu viele Jahrhunderte war Europa schließlich durch Kriege zerstritten gewesen.

 

 

 

Wie kam es zur Gründung von BRD und DDR?

 

In Deutschland regierte nach dem Krieg zuerst der Alliierte Rat. 1948 trat die UdSSR aus, worauf die USA, GB und F ihre Gebiete vereinigten, die D-Mark einführten und schließlich die BRD gründeten und mit Hilfe des Marshall-Plans förderten.

 

Die UdSSR ihrerseits gründete einen 2. deutschen Staat: die DDR. Berlin, das wie Wien von allen 4 Alliierten gemeinsam besetzt war und mitten im DDR-Gebiet lag, wurde von den Sowjets abgeriegelt. In der größten Luftbrücke aller Zeiten wurde die Stadt von den West-Alliierten 1 Jahr lang aus der Luft versorgt, bis die Sowjets ihre Blockade schließlich aufgaben. Die Welt stand damals am Rande eines neuen Krieges. Bonn am Rhein wurde zur provisorischen Hauptstadt der BRD ernannt und blieb es bis zur Wiedervereinigung Deutschlands im Jahre 1989.

 

 

 

Auf welche Weise versuchte die DDR Menschen daran zu hindern, sich in den Westen abzusetzen?

 

Schon allein aus wirtschaftlichen Gründen versuchten immer mehr DDR-Bürger ihr Land Richtung BRD zu verlassen. Da griffen die DDR-Politiker zu einem drastischen Mittel: Sie bauten  mitten durch Berlin eine Mauer und sicherten die Grenze zwischen der BRD und der DDR mit einem schwer überwindbaren und gut bewachten Stacheldrahtzaun, dem so genannten „Eisernen Vorhang“. Viele, die flüchten wollten, kamen bei ihrem Fluchtversuch um.

In welchen Schritten normalisierte sich das politische Leben in Österreich nach 1945?

 

Österreich wurde in 4 Zonen geteilt und vom Alliierten Rat  (4 Hochkommissare) verwaltet. 1. Bundespräsident wurde Dr. Karl Renner, der 1. Staatskanzler der 1. Republik. Auch die im November 1945 neu gewählte Bundesregierung unter Bundeskanzler Leopold Figl musste vorerst alle Gesetzesanträge diesem Rat vorlegen.

 

Nach dem Ausscheiden der KPÖ 1947 wurde Österreich (bis 1966!) von einer Koalitionsregierung aus ÖVP und SPÖ regiert. Alte Feinde hatten in den Konzentrationslagern gelernt, wieder miteinander zu reden und eingesehen, dass man diese 2. Republik – sollte sie Bestand haben – nur gemeinsam aufbauen konnte
.

 

 

Wie sah der Nachkriegsalltag in Österreich aus?

 

Österreich, insbesondere der Osten unseres Landes, war durch Kriegshandlungen und Bombardements schwer getroffen, ganze Städte (Wr. Neustadt) fast ausradiert. Den vielen fleißigen Händen dieser schweren Zeit, insbesondere den so genannten „Trümmerfrauen“, ist es zu verdanken, dass mit tatkräftiger Hilfe der Westalliierten („Marshall-Plan“) der Wiederaufbau so schnell vor sich gehen konnte.

 

Noch 1945 ersetzte der Schilling wieder die Reichsmark. Ende der 40er-Jahre gab es langsam immer mehr Waren ohne Bezugsschein (Lebensmittelkarte) zu kaufen. Es gab sogar wieder Schokolade und andere „Luxusgüter“, z. B. Motorroller. Und langsam kehrten auch die letzten Krieggefangenen aus der Sowjetunion heim.

 

 

 

Welche Probleme gab es beim Wiederaufbau Österreichs?

 

Berühmt geworden ist die Radioansprache von Bundeskanzler Leopold Figl vor Weihnachten 1945  („Ich kann euch nichts geben…Wir haben nichts“).

 

In der Sowjetzone herrschte Willkür, die Polizei durfte nicht eingreifen. Es gab keine Kohle zum Heizen und die Kriegsgefangenen, wenn sie überhaupt in der Lage dazu waren, fanden keine Arbeit. Die Sowjets beschlagnahmten früheres „Deutsches Eigentum“ (die gesamte Erdöl verarbeitende Industrie, die DDSG usw.) und zogen die erwirtschafteten Gewinne vieler Betriebe als Wiedergutmachung ein.

 

 

Das Zeitalter des Kalten Krieges - Wettrüsten und Stellvertreterkriege

 

 

Wozu entwickelten die USA und die UdSSR ab 1945 neue Waffensysteme?

 

Den Besitz einer Atombombe empfand die UdSSR als Bedrohung und setzte durch hohe Rüstungsausgaben ein beispielloses Wettrüsten in Gang, dem sich auch GB und F nicht entziehen wollten.

 

Neben dem Rüstungswettlauf wurde auch die Spionagetätigkeit ausgeweitet, und man ließ andere Länder für sich Kriege führen („Stellvertreterkriege“). Dies alles bezeichnet man als so genannten „Kalten Krieg“

 

Als die Sowjets den ersten bemannten Weltraumflug starteten (Gagarin), begannen die Amerikaner mit einer großen Bildungsoffensive und mit ihrem Mondprojekt, das mit der ersten Mondlandung 1969 (Neill Armstrong) seinen Abschluss fand. Damit hatte man die Russen auch hier überholt.

 

 

Welche Militärbündnisse gab es ab 1949?

 

Der Westen befürchtete eine kommunistische Weltrevolution, der Osten sah sich als den „demokratisch-sozialistischen“ Teil der Welt, die anderen als die „imperialistischen Kapitalisten“.

 

Das führte einerseits zur Gründung des westlichen Verteidigungsbündnisses NATO und als Reaktion darauf zur Gründung des „Warschauer Pakts“ unter Führung der Sowjetunion.

 

 

Wie sicherten die beiden Supermächte ihre Macht in den eigenen Einflussbereichen ab?

 

Versorgungsprobleme und fehlende Meinungsfreiheit  verärgerten viele Menschen des Ostblocks. Aufstände gegen die Regierungen in Ostberlin (1953), Ungarn und Polen (1956) und schließlich Prag („Prager Frühling“ – 1968) wurden von den Truppen des Warschauer Pakts unter Führung der Roten Armee niedergeschlagen. Österreich erwies sich dabei als hilfreicher Nachbar und bot vielen Flüchtlingen Asyl.

 

Die USA wieder unterstützte aus wirtschaftlichen Gründen Diktaturen in Mittel- und Südamerika und besetzte sogar Panama (Kanal!)

 

 

 

Was führte zur Berlin- und zur Kubakrise?

 

Da bis 1961 2,7 Mill. Menschen aufgrund der wirtschaftlichen und politischen Umstände die DDR freiwillig verlassen hatten, musste der Staat handeln. Man begann mitten durch Berlin eine Mauer zu errichten und verhinderte so das Abwandern weiterer Fachkräfte in den Westen, was auch die USA schwer verbitterte.

 

Diese errichtete im selben Jahr in der Türkei Raketenabschussbasen, von denen aus sie die UdSSR  mit ihren Atomraketen direkt angreifen konnte. Die Antwort des sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow folgte auf dem Fuß: Auf  Kuba war Fidel Castro mit Hilfe der Sowjets durch eine Revolution an die Macht gekommen. Als Gegenleistung wollte er der Sowjetunion gestatten, Raketenbasen zu errichten, wodurch auch sie die USA unmittelbar hätten angreifen können. Die Amerikaner verhängten eine Blockade um die Insel. Sollten sowjetische Schiffe diese durchbrechen, würde ein 3. WK ausgelöst werden. Papst Johannes XXIII. und anderen gelang es, die Supermächte in letzter Minute zu einem Einlenken zu bewegen. Sowohl die UdSSR als auch die USA bauten ihre Raketenstellungen ab und richteten ein so genanntes „Rotes Telefon“ zwischen Washington und Moskau ein, um in künftigen Krisen schneller und direkter reagieren zu können. Gott sei Dank gab es eine so gefährliche Krise seit dieser Zeit nicht mehr…

 

 

Wo kam es zu Stellvertreterkriegen?

 

Korea, das von 1910 – 1945 von Japan besetzt war, wurde nach der Niederlage Japans nördlich des 38. Breitengrads von Sowjettruppen, südlich davon von amerikanischen Truppen besetzt. Als dann noch das unter Mao Tse-tung kommunistisch gewordene China eingriff und gemeinsam mit der Sowjetunion weiter nach Süden vordringen wollte, kam es zum Koreakrieg. Trotz erbitterter Kämpfe und hoher Verluste änderte sich nichts an der politisch-militärischen Lage und die beiden Staaten Nord- und Südkorea blieben bis heute getrennt.

 

Anders verlief der Krieg in Vietnam. Ursprünglich französische Kolonie, dann von den Japanern besetzt, weigerte sich 1954 der westlich-diktatorische Südteil Vietnams die Beschlüsse der Genfer Indochina-Konferenz zu unterschreiben. Der nordvietnamesischen Untergrundorganisation Vietcong, von China und der UdSSR unterstützt, gelang es, den 1964 direkt in den Krieg eingreifenden hoch technisierten US – Truppen eine schwere Niederlage zuzufügen.

 

 

Warum ging der Vietnamkrieg für die USA verloren?

 

Je länger der Vietnamkrieg dauerte, desto größer wurde die Protestbewegung gegen den Krieg in der Heimat (siehe Bob Dylans „The Answer Is Blowing In The Wind“). Viele Amerikaner sahen nicht ein, warum ihre Männer und Söhne in einem fremden Land kämpfen und sterben sollten. Der Krieg hatte durch die Guerillataktik eine neue Dimension erreicht. Einsatz modernster Waffen, Entlaubung von Wäldern, um den Feind sichtbar zu machen, Einsatz von Napalmbomben, um die Bevölkerung zu demoralisieren: All das reichte für die USA nicht, den Krieg gegen den Vietcong zu gewinnen. Krieg betraf nunmehr nicht mehr nur die Soldaten, sondern wurde von der ganzen Bevölkerung getragen. 1973 kam es zu einem Waffenstillstand, um Amerika einen halbwegs ehrenhaften Rückzug zu ermöglichen. Dies war die erste Niederlage einer amerikanischen Streitmacht.

 

 

 

Entspannungspolitik und der österreichische Staatsvertrag

 

 

Welche Folgen hatte der Koreakrieg für Österreich?

 

Die Hilfslieferungen des Marshall-Plans wurden gekürzt. Österreich konnte sich zu dieser Zeit aber noch nicht selbst versorgen, wodurch die Inflation gewaltig anstieg.

 

 

Wie endete die Protestbewegung in Österreich 1950?

 

Die von den sowjetischen Besatzern unterstützten Streikaufrufe wurden durch eine kluge Politik des ÖGB unter seinem Präsidenten Franz Olah nicht in dem von den Kommunisten erwarteten Ausmaß befolgt. Der Regierung gelang es, ohne das Eingreifen der Roten Armee, den inneren Frieden aufrecht zu erhalten. Dies ersparte Österreich wahrscheinlich das Schicksal der östlichen Nachbarstaaten, die unter kommunistische Herrschaft gerieten.

 

 

Welcher Zusammenhang bestand zwischen internationaler Politik und dem Zustandekommen des Staatsvertrages?

 

1953 starb Stalin und der Koreakrieg ging zu Ende. Der sowjetische Ministerpräsident und Generalsekretär der KPdSU Chruschtschow leitete eine Phase der Entspannung ein und ermöglichte es Österreich, sein Anliegen, unabhängig und frei zu werden, zu erreichen. Die von den Schlussverhand­lungen in Moskau zurückkehrende Regierungsdelegation unter Bundeskanzler Julius Raab brachte die frohe Botschaft nach Wien. Im Schloss Belvedere wurde dann am 15. Mai 1955 von den Außenministern der USA, der UdSSR, GB und F sowie vom österreichischen Außenminister Leopold Figl der Staatsvertrag besiegelt.

 

 

Welche Ziele hatte die österreichische Außenpolitik in der Zeit des Kalten Kriegs?

 

Österreich sah sich als Schutzmacht der Südtiroler und verzeichnete auch unter  Außenminister Gruber erste Erfolge. Dann schuf Italien die Provinz Trentino - Alto Adige  und schaffte damit eine italienische Bevölkerungsmehrheit, wodurch sich die deutschsprachige Bevölkerung übergangen fühlte und sogar zu Terrormaßnahmen griff. Österreich brachte die Unzufriedenheit der Südtiroler Bevölkerung mit Italien vor der UNO zur Sprache. Nach langen Verhandlungen erreichte der nunmehrige Außenminister Bruno Kreisky, dass Italien einer friedlichen Lösung zustimmte – dem so genannten „Südtirol-Paket“, das der „Provinz Bozen“ eine weitgehende Autonomie sichert.

 

Das nunmehr neutrale Österreich, direkt am Eisernen Vorhang gelegen, bot sich aber auch als Vermittler zwischen Ost und West an. So etwa fand das damals sensationelle Treffen der beiden mächtigsten Männer der Welt (Kennedy und Chruschtschow) auf  Betreiben Österreichs 1961 in Wien statt.

 

Der 3. Pfeiler einer Absicherung gegen künftige militärische Auseinandersetzungen war der Bau der UNO-City, wodurch Wien neben Genf und New York die dritte „UNO-Stadt“ wurde (1979)

 

 

 

Auflösung der Kolonialreiche

                                  

 

Wie reagierten die Briten nach dem 1. WK auf die indische Widerstandsbewegung?

 

Man löste Protestveranstaltungen gewaltsam auf. Allein 1930 verhafteten die Briten rund 60 000 Aufständische. Der Rechtsanwalt und Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi rief die Bevölkerung zum passiven Widerstand durch Boykott auf. Nach einigen Teilerfolgen wurde Indien aber dennoch erst nach dem 2. WK (1947) unabhängig.

 

 

Was begünstigte die Entkolonialisierung nach 1945?

 

Die europäischen Kolonialmächte waren durch den Krieg geschwächt. Außerdem ermutigte die UNO die unterdrückten Völker, ihre Freiheit zu fordern.

 

 

Welche Staaten wurden bis, welche nach 1955 frei?

 

Bis 1955: In Afrika Ägypten, Marokko, Tunesien, Ghana und Libyen; in Asien Indien, Pakistan und Malaysia.

 

Nach 1955: Viele afrikanische Staaten wie z. B. der Kongo und Algerien; Vietnam usw.

 

 

Wo gelang die Entkolonialisierung auf relativ friedlichem Weg?

 

In Indien, Pakistan, Libyen, und Ägypten.

 

 

Welche Kolonien wurden erst nach Aufständen unabhängig?

 

Belgisch-Kongo,  Indonesien, Malaysia, Algerien und Vietnam (erst gegen die Franzosen, dann gegen die USA – „Stellvertreterkrieg“)

 

 

Wie waren Kolonien auf die Unabhängigkeit vorbereitet?

 

In der Regel sehr schlecht, da die Europäer die Einheimischen nicht in die Verwaltung einbezogen hatten. Auch das Verständnis für die amerikanisch-europäische demokratische Regierungsform ließ und lässt zu wünschen übrig. Die Infrastruktur war nur selten so gut ausgebaut wie etwa in Ghana. Besonders schlecht stand es um den Kongo, als er von Belgien unabhängig wurde.

 

 

Weshalb kam es in den ehemaligen europäischen Kolonien oft zu Krisen?

 

Einheimische Machthaber besetzten die von den Europäern verlassenen Schlüsselpositionen und beuteten „ihre“ Länder mehr aus, als es die Europäer je taten. Dies führte immer wieder zu Staatsstreichen und neuen Machthabern, die es nach kurzer Zeit ihren von ihnen abgesetzten Vorgängern nachmachten, was wiederum zum Putsch führte.

 

Indien und Pakistan, so wie Burma aus Britsch-Indien hervorgegangen, unterschieden sich durch die jeweils vorherrschende Religion. Zwischen Hindus und Moslems kommt es bis heute zwischen den beiden Atommächten immer wieder zu Kriegen um die von beiden beanspruchte Region Kaschmir.


 

Der Zusammenbruch des Ostblocks u. d. Ende d. Kalten Kriegs

 

 

Auf welche Weise versuchten die USA und die UdSSR im Kalten Krieg Vorteile zu erlangen?

 

Sie errichteten in verschiedenen Staaten Stützpunkte, lieferten Waffen und leisteten jenen Militärhilfe, die gegen die andere Supermacht eingestellt waren. So unterstützte die UdSSR die ehemaligen afrikanischen Kolonien Libyen, Syrien und Angola, die USA hingegen islamische Widerstandskämpfer im von den Sowjets besetzten Afghanistan – etwa Osama Bin Laden! 

 

 

Was forderte die Friedensbewegung in den Weststaaten?

 

Vor allem in den USA, aber auch im westlichen Europa, entstand eine starke Friedensbewegung gegen den atomaren Rüstungswettlauf und gegen den Vietnamkrieg. Namhafte Künstler, insbesondere Liedermacher wie Bob Dylan und John Lennon,  stellten sich an die  Spitze und mobilisierten hunderttausende Amerikaner gegen den Krieg („Make Love, Not War“; „San Francisco“ etc.)

 

 

Wie kam es zur Entstehung der Menschenrechtsgruppen in Osteuropa?

 

In der „Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ in Helsinki (KSZE) rang man dem sowjetischen Ministerpräsidenten Breschnew das Zugeständnis ab, die Menschenrechte auch in seinem Einflussbereich zu respektieren. Die Wirklichkeit sah aber anders aus. Dagegen setzten sich Menschenrechtsgruppen zur Wehr. In Polen führte die Gewerkschaft Solidarnosc unter ihrem Vorsitzenden Lech Walesa den Widerstand an und wurde dabei von der katholischen Kirche, aus deren Reihen ja der spätere Papst Johannes Paul II. stammt, unterstützt. In der CSSR unterschrieben Bürgerrechtler – unter ihnen der Dichter und spätere Staatspräsident Vaclav Havel – die „Charta 77“. Sie erreichten später durch massive studentische Unterstützung in der so genannten „Samtenen Revolution“ das Ende des Kommunismus. Vorerst aber wanderten viele der Dissidenten für Monate und Jahre in den Kerker. In der DDR sympathisierten die Bürgerrechtler mit der Evangelischen Kirche und setzten den kommunistischen Machthabern immer mehr zu.

 

 

Welche Reformen leitete Gorbatschow in der UdSSR ein?

 

Gorbatschow erkannte die politisch, vor allem aber wirtschaftlich hoffnungslose Lage der UdSSR und damit des Kommunismus im Allgemeinen. Nur noch brutale Staatsgewalt und ein eventueller Weltkrieg mit der Supermacht USA hätten es ihm ermöglicht, die Lage noch für einige Zeit unter Kontrolle zu halten. Gorbatschow ging einen anderen Weg. Seine Schlagworte „Glasnost“ und „Peristroika“ bedeuteten eine Öffnung gegenüber dem Westen und der demokratischen Staatsform, aber auch ein Ende des Systems der Planwirtschaft. Er trat schließlich für die Selbstbestimmung der Völker ein und löste damit eine Lawine aus, die zu Freiheit und Demokratie in den neuen Staaten führte.

 

 

Welche Folgen hatte Gorbatschows Politik?

 

Der Westen unterstützte seine Politik vor allem durch Wirtschaftshilfe.

 

Der Warschauer Pakt fiel auseinander – Bulgarien, Rumänien (nachdem Ceausescu ausgeschaltet wurde), Ungarn, Polen und die Tschechoslowakei wurden demokratische Staaten. Später trennten sich Tschechen und Slowaken friedlich und bildeten zwei Staaten.

 

Die DDR und die BRD vereinigten sich 1989 wieder und bildeten einen einheitlichen deutschen Staat mit Berlin als Hauptstadt.

 

Aus dem nunmehrigen Russland lösten sich die Baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen, die 2004 Mitglieder der EU wurden. Auch die Ukraine und Weißrussland wurden selbstständig, bildeten aber bald mit den meisten ehemaligen Sowjetrepubliken die Gemeinschaft unabhängiger Staaten (GUS). Nur die im asiatischen Teil Russlands gelegenen - zum Teil islamischen - Teilrepubliken waren mit ihrem Verbleib in Russland nicht einverstanden. Die Lage in Tschetschenien etwas ist bis heute nicht geklärt.

 

In Russland wurde Boris Jelzin Präsident, und Gorbatschow, der den Friedensnobelpreis bekam, erntete – wie so oft in der Geschichte – nicht den Dank für sein großes Werk. Die wirtschaftliche Lage im heutigen Russland ist auch unter dem recht autoritär regierenden Präsidenten Putin nicht erfreulich…

 

 

 

Die neue Weltordnung und die Folgen für Österreich (1992 bis heute)

 

 

Worauf stützen die USA ihre Führungsrolle in der Welt?

 

Obwohl der amerikanische Präsident (Präsident und Kanzler quasi in einer Person) der mächtigste Mann der Welt ist, unterliegt er dennoch einer genauen Kontrolle durch das amerikanische Parlament, das sogar ein Absetzungs­verfahren in die Wege leiten kann und dies auch schon getan hat.  Alle wichtigen politischen Entscheidungen bedürfen der Zustimmung der Länderkammer, des Senats. Die beiden Großparteien – „Republikaner“ und „Demokraten“ kontrollieren einander sehr genau. Leider kann in Amerika nur Präsident werden, wer sich einen teuren Wahlkampf finanzieren kann, da – nicht wie in Österreich! – die Parteien keine Staatsmittel zur Unterstützung bekommen. Damit ist man dann seinen Geldgebern irgendwie verpflichtet, was sich im letzten Irakkrieg deutlich gezeigt hat.

 

Die Führungsrolle der USA gründet sich auf ihrer Vormachtstellung in den Bereichen High-Tech, Rüstung, Berichterstattung und Wirtschaft, aber - manchmal leider - auch ihrer so genannten Softindustrie: Der „American Way of Life“ (Coca Cola, Mac Donalds, Hollywood etc.) wird in die ganze Welt exportiert und vor allem in Europa und Japan oft kritiklos nachgemacht…

 

 

Welche Staaten traten 1999 der NATO bei?

 

Die Tschechische Republik, Polen und Ungarn; weitere werden folgen. Österreich würde sich einem europäischen Verteidigungsbündnis anschließen, Die Aussichten, dass Europa so ein Bündnis zuwege bringt, sind derzeit aber noch unsicher.

 

 

Welche Entwicklung nahm Russland seit 1991?

 

In Russland wurde 1991 Boris Jelzin Präsident. Er versuchte den Weg Michael Gorbatschows fortzusetzen und das Land weiter zu demokratisieren. Korruption, Widerstand von Alt-Kommunisten, Planungsfehler, Mangel an Fachkräften und fehlende finanzielle Mittel sowie ein ungeschicktes Verhalten des IWF ließen seine Bemühungen jedoch scheitern. Obwohl in der neuen russischen Verfassung von 1993 das Recht auf Informationsfreiheit verankert ist, regiert der jetzige Präsident, der sich mit großen Vollmachten ausstatten ließ, mit sehr harter Hand. Die wirtschaftliche Lage der meisten Russen hat sich seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion stark verschlechtert; einige sind aber sehr reich geworden (Gasprom-Manager usw.

 

 

 

Welche Veränderungen gab es in China seit 1921?

 

Nach dem Ende des Kaiserreichs 1911 begann ein Bürgerkrieg zwischen Kommunisten und Nationalisten, den die Kommunisten unter Mao tse-tung für sich entschieden. Die Insel Taiwan wurde ein eigener Staat. Trotz großer wirtschaftlicher Reformen verhungerten fast 30 Millionen Chinesen. Nach Maos Tod öffnete Deng Xiaoping China nach dem Westen; politisch allerdings wurde jeder Widerstand (etwa der Studenten) gewaltsam im Keim erstickt. Als ständiges Mitglied des Weltsicherheitsrats spielt China heute eine bedeutende Rolle in der Weltpolitik.

 

 

Wie entstand die EU?

 

Vorläufer war die EG für Kohle und Stahl, aus der dann die EWG („Europäische Wirtschaftsgemeinschaft“) wurde. 1986 wurde dann die EU gegründet und laufend erweitert. Ihr trat Österreich etwa 1995 bei. 2004 folgten 10 weitere Länder, 2007 Rumänien und Bulgarien; andere müssen noch auf ihre Aufnahme warten, weil sie politisch oder wirtschaftlich die Bedingungen noch nicht erfüllen. Sowohl die Währungsunion als auch das Schengen-Abkommen sind noch nicht von allen Staaten der EU übernommen worden. Auch auf eine gemeinsame Verfassung konnte man sich noch nicht einigen. Trotz aller Probleme gibt es derzeit – auch für Österreich! – keine Alternative zur EU. Immerhin gab es in Europa – sieht man von Jugoslawien ab – seit fast 60 Jahren keinen Krieg mehr.

 

 

Was bedeutet EU-Osterweiterung? 

2004 traten folgende 10 Länder der EU bei: Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Polen, Slowenien, Estland, Lettland, Litauen, Malta und Zypern. Da der Lebensstandard in diesen Ländern niedriger ist als in Österreich, die Arbeitnehmer also weniger verdienen als bei uns, haben viele Firmen ihre Werke in den Osten verlegt, wodurch bei uns Arbeitplätze verloren gingen und gehen. Sparmaßnahmen und eine geringe Absenkung des Lebensstandards sind die Folge. Der Druck auf den österreichischen Arbeitsmarkt ist größer geworden. Eine höhere Arbeitslosigkeit ist die Folge. Das reiche Österreich ist in der EU ein so genannter Netto-Zahler, zahlt also mehr in den Gesamttopf ein als es erhält. Vor dem Hintergrund der Geschichte muss man aber in größeren Zeiträumen denken. Außerdem öffnet sich der Markt in den Beitrittsländern natürlich auch für die österreichischen Betriebe, Banken  usw.              

 

 

Welche Rolle spielt Österreich in der aktuellen Weltpolitik?

 

Durch die Öffnung Europas nach Osten liegt Österreich heute mehr denn je „dem Erdteil inmitten; einem starken Herzen gleich“, wie es in der 2. Strophe der Bundeshymne heißt. Die Idee Franz Ferdinands von einem großen Österreich, in dem alle Nationen gleiche Mitsprache haben sollten, beginnt sich – wenn gleich unter anderen Vorzeichen! – langsam zu erfüllen.

 

Österreichische Soldaten stehen bei der UNO seit 1960 (Kongo) im Friedenseinsatz. Sowohl in Zypern als auch auf den Golanhöhen zwischen Syrien und Israel oder in Bosnien und dem Kosovo: überall schätzt man die ausgleichend wirkende Art der Österreicher, die Probleme immer schon wenn möglich am Verhandlungstisch und nicht in der Schlacht lösen wollten. („Andere mögen Kriege führen, du glückliches Österreich heirate!“)

 

Von der österreichischen, aber auch von der bayrischen und ungarischen Politik wird nach wie vor vergebens eine Aufhebung der Benes-Dekrete gefordert, die die gewaltsame Vertreibung tausender Menschen mit deutscher oder ungarischer Muttersprache aus der damaligen Tschechos­lowakei  zur Folge hatten. 

 

Nachdem die Bedrohung aus dem Osten weggefallen ist und der Kalte Krieg der Vergangen­heit angehört, wird seit einigen Jahren in Österreich die Aufhebung der Neutralität diskutiert, von der Mehrheit der Bevölkerung aber noch abgelehnt – ein besonders „heißes Eisen“! Freilich wurde diese schon durch die Aufnahme in die EU de facto „durchlöchert“. An einen Beitritt zur NATO ist momentan ebenfalls nicht gedacht. Einer gesamteuropäischen Verteidigungsgemeinschaft, die die EU ja nicht ist, würde sich Österreich auf die Dauer aber wahrscheinlich nicht entziehen können.

 

       

 

Gesellschaft und Politik in Österreich - der Mensch als Mitglied der Gemeinschaft

 

 

Auf welche Weise greift der Staat in das Zusammenleben der Menschen ein?

 

Damit das Zusammenleben der Menschen in einem Staat halbwegs reibungslos funktioniert, werden von den legislativen Körperschaften Nationalrat, Landtag, Gemeinderat oder vom Volk direkt (Volksabstimmung) Gesetze beschlossen. Diese werden von verschiedensten Fachleuten ausgearbeitet und nach Beschluss von den Exekutivorganen (Bundesregierung, Landesregierung bzw. deren untergeordneten Dienstellen, z.B. der Polizei) vollzogen.

 

Da sich das Leben ständig ändert, müssen Gesetze auch immer wieder angepasst werden. Die wichtigsten stehen in der Verfassung.

 

 

Welche Ziele und Aufgaben haben die Sozialpartner?

 

Ziel ist ein Interessensausgleich zwischen der Arbeitnehmer- und der Arbeitgeberseite, um dadurch sozialen Frieden und Wirtschaftswachstum zu gewährleisten.

 

Die Sozialpartnerschaft geht auf die wirtschaftlich schwierige Nachkriegszeit (1947) zurück, wurde aber dann vor allem in Zeiten der großen Koalition zu einer Art Schattenregierung, was einige Nachteile aber viele Vorteile brachte. So etwa galt Österreich lange Zeit als Land, in dem kaum gestreikt wurde, weil man sich immer in Verhandlungen einigen konnte.

 

 

Welche Rolle hat die Paritätische Kommission?

 

ÖGB und AK, Wirtschafts- und Landwirtschaftskammer bilden unter dem Vorsitz des Bundeskanzlers die so genannte „Paritätische Kommission“.

 

In den Unterausschüssen wird über Wettbewerb und andere Wirtschaftsfragen, über die Lohn- und Preispolitik, die Sozialpolitik sowie auch über internationale Entwicklungen gesprochen und Beschlüsse gefasst.

 

 

 

Welche Verwaltungsebenen gibt es in Österreich?

 

Es gibt 4 Bereiche: Die Bundesverwaltung, die 9 Bundesländer, 99 politische Bezirke und die Gemeinden. In Wien ist Favoriten z. B. ein politischer Bezirk, die Gemeinde Wien aber praktisch identisch mit dem Land Wien.

 

Sämtliche Verwaltungsebenen sorgen dafür, dass Gesetze und Verordnungen in ihrem Zuständigkeitsbereich auch vollzogen werden. Die Kontrolle obliegt den einzelnen Behörden.

 

 

Wie kommen Bundesgesetze zustande?

 

Medien (Fernsehen, Presse etc.), politische Parteien (ÖVP, SPÖ, FPÖ, BZÖ und Die Grünen etc.), Interessensverbände (AK, ÖGB, WK, LWK etc.) tragen die Wünsche der Bevölkerung an die gesetzgebenden Körperschaften heran – in unserem Beispiel an das Parlament; genauer gesagt: an den Nationalrat, der alle 5 Jahre gewählt wird.

 

Gesetzesanträge können auf 4 Arten an den Nationalrat herangetragen werden: durch die Bundesregierung, die Länderkammer (Bundesrat), durch mindestens 8 Abgeordnete zum NR oder durch ein Volksbegehren.

 

Nach der 1. Lesung im Plenum wird in den paritätisch besetzten Unterausschüssen unter Anhörung von Experten weiterdiskutiert, ehe es in der 2. Lesung zu einer Spezialdebatte kommt. Erst in einer 3. Lesung wird das Gesetz dann beschlossen. Änderungen von Verfassungsgesetzen brauchen eine so genannte „Qualifizierte Mehrheit“ (2/3-Mehrheit).

 

Dann geht das Gesetz in den Bundesrat, der ein aufschiebendes Veto hat.

 

Der Bundespräsident, der alle 6 Jahre gewählt wird, beurkundet nun das Gesetz, der Bundeskanzler zeichnet gegen.

 

Es tritt mit Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft, bzw. es wird dort das Datum des Inkrafttretens genannt. Unwissenheit schützt nicht vor dem Gesetz!  

 

An einer Reform der Verfassung wird seit geraumer Zeit gearbeitet; eine politische Einigung lässt aber noch auf sich warten.

 

Nicht vergessen darf werden, dass viele Kompetenzen unseres Parlaments an die zuständigen Organe der EU übergegangen sind, wir heute also als Mitglied der EU nur mehr beschränkt souverän sind.

 

 

 

Österreich heute

 

 

Welche Formen der Mitbestimmung gibt es in Österreich?

 

Man unterscheidet zwischen Direkter und Indirekter (Parlamentarischer) Demokratie.

 

Indirekte Demokratie: Man wählt einen Abgeordneten / eine Abgeordnete einer politischen Partei, wodurch Gesetze im Sinne des Wählers beschlossen werden sollen.

 

Direkte Demokratie (wie etwa in der Schweiz üblicher): Direktwahl des Bundespräsidenten und vieler Bürgermeister; Bürgerinitiativen, die zu Volksbegehren führen, müssen dem Nationalrat vorgelegt werden. Bei einer Volksabstimmung wird dem Volk die Entscheidung übertragen. Beispiel: EU-Beitritt 1995

 

 

Welche Grundlagen hat das österreichische Wahlrecht?

 

„Jeder unbescholtene, mündige österreichische Staatsbürger (natürlich auch jede Staatsbürgerin!), der (die) spätestens am Wahltag das
16. Lebensjahr vollendet, kann in geheimer und gleicher Wahl wählen („Aktives Wahlrecht“). Für Wahlen zum EU-Parlament gilt das 18. Lebensjahr!

 Das bedeutet aber, dass sich die jungen Wähler unbedingt informieren müssen, um nicht irgendeinem politischen Verführer in Netz zu gehen…

 

 

Welche Regierungsformen gab es seit 1953 und zu welchen Veränderungen kam es in Österreichs Innenpolitik seit den 1980er-Jahren?

 

Die seit 1953 bestehende Große Koalition zwischen SPÖ und ÖVP ging 1966 zu Ende. Es folgte zuerst eine ÖVP-Alleinregierung unter Bundeskanzler Klaus, dann eine SPÖ-Alleinregierung unter Bundeskanzler Kreisky. Diese brachte vor allem einen Ausbau des Sozialstaates (Gratisschulbuch, Schülerfreifahrt, 40- Stunden-Woche, Urlaubsverlängerung usw.), was aber
z. T. nur durch eine hohe Staatsverschuldung finanziert werden konnte. Die Einführung der friedlichen Nutzung der Atomkraft wurde weit blickend von den Öster­reichern 1976 in einer denkwürdigen Volksabstimmung abgelehnt.

 

Nach einer SPÖ-FPÖ-Koalition gab es von 1986 – 1999 neuerdings eine große Koalition. In dieser rückte die FPÖ unter Jörg Haider stark ins politisch rechte Lager ab, andrerseits wurde die Grünen immer stärker. In diese Zeit fallen auch der Beitritt Österreichs zur EU und das Anwachsen wirtschaftlicher Probleme, verbunden mit steigenden Arbeitslosenzahlen.

 

 

Welche Themen beherrschen derzeit die österreichische Innenpolitik?

 

1999 kam es erstmals zu einer Koalition zwischen der FPÖ und der nur drittstärksten Kraft, der ÖVP unter Bundeskanzler Schüssel. Das Ausland war mit dieser Wahl, mit der Jörg Haider großen Einfluss gewann, nicht zufrieden und versuchte Österreich zu isolieren (Sanktionen), was aber nicht gelang. Nach parteiinternen Streitigkeiten in der  FPÖ zerbrach die Regierung 2002 und es kam zu Neuwahlen, aus der die ÖVP als stimmenstärkste Partei hervorging und wieder eine – diesmal „kleine“ Koalition mit den Freiheitlichen bildete.

 

Die Schwerpunkte des Programms der letzten Regierung lassen sich kurz so zusammenfassen: Abbau der Staatsschulden durch rigorose Sparmaßnahmen in allen Bereichen (Pensionsreform usw.) und ein Sich-Zurückziehen des Staates (Privatisierung). Die neue Regierung hat jedenfalls große Probleme zu lösen; eines davon ist die hohe Arbeitslosenrate bei den Jugendlichen und bei den Menschen über 50.

 

Viele Probleme (der Pflegenotstand, der Facharbeitermangel u. v. a. m.) waren auch weiterhin ungelöst, nachdem Ende 2006 Nationalratswahlen stattfanden. Bis zum Herbst 2008 regierte sodann eine große Koalition SPÖ - ÖVP unter Führung von Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, die wegen dauernder Streitigkeiten nur zwei Jahre hielt. Die Neuwahlen führten schließlich abermals zu einer - diesmal nur mehr als "mittlere" Koalition zu bezeichnenden - Zusammenarbeit von SPÖ und ÖVP. Diese wurde durch die heraufziehende Wirtschaftskrise, ausgelöst durch einen überzogenen Neoliberalismus in den USA, faktisch erzwungen. 

Viele meinen, dass der Staat – gerade im Zeitalter der Globalisierung und damit des wachsenden Einflusses großer Wirtschaftsgiganten (Global Player) wie z. B. Microsoft – seine Aufgabe im sozialen Bereich nicht vernachlässigen darf. Unsere so genannte ökosoziale Marktwirtschaft, sollte durch die die zunehmende Liberalisierung in ihren Grundzügen nicht verändert werden.

 

Die Regierung unter Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) und Vizekanzler Michael Spindelegger(ÖVP) versucht derzeit - bedingt durch die Wirtschaftskrise - mehr Kooperation zu zeigen. Die Koalition hat aber keine Mehrheit mehr, um Verfassungsgesetze ändern zu können, ist also daher auf die Zusammenarbeit mit der FPÖ, den Grünen und dem BZÖ angewiesen. Die letzten Regionalwahlen brachten 2009 und 2010 folgende Trends: Die Sozialdemokraten und die ÖVP stagnierten, die Freiheitlichen legten erneut zu und nennen sich nun in Kärnten FPK, haben das BZÖ dort also praktisch "geschluckt".