
An
die Nachkommen meiner ehemaligen Untertanen
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D |
u wirst dich
wundern, warum das Wort Kaiserin in Anführungszeichen steht. Ich war nämlich
eigentlich gar nicht Kaiserin, sondern mein Mann Franz Stephan.
Mein Name ist Maria Theresia von Habsburg. Ich war Erzherzogin von Österreich,
Königin von Ungarn und Königin von Böhmen und lebte vor 250 Jahren, genau von
1717-1780, hier in Wien.
Mit neunzehn Jahren habe ich Franz Stephan von Lothringen geheiratet, in den ich mich schon als Mädchen verliebt hatte. Unsere Familie heißt seitdem Habsburg-Lothringen. Wir haben sechzehn Kinder bekommen, elf Mädchen und fünf Buben. Da ich keinen Bruder hatte, der nach dem Tod meines Vaters, Kaiser Karl VI., sein Nachfolger hätte werden können, habe ich, seine älteste Tochter, dieses Amt übernommen.

Kaum war er tot –
ich war damals 23 Jahre alt – begannen die Nachbarländer über Österreich
herzufallen, obwohl sie sich meinem Vater gegenüber in der „Pragmatischen
Sanktion“ zum Stillhalten verpflichtet hatten. Es war ja nur eine „schwache
Frau“ auf dem Thron! Da täuschten sie sich aber! Ich umgab mich mit klugen
Ratgebern, und die treuen Ungarn, die mich zu ihrer Königin krönten, halfen
mir, die Eindringlinge abzuwehren. Nur Schlesien ging leider in den
„Erbfolgekriegen“ an den Preußenkönig
Friedrich
II. verloren.
Zu den Ländern, die
ich regiert habe, gehörten neben Österreich noch Ungarn, Tschechien, die
Slowakei, Teile von Polen, Slowenien und Südtirol. Ich begann den Staat zu
modernisieren und mehr für die Menschen zu tun, als dies meine Vorgänger taten.
Schließlich habe ich ja die Schriften der französischen Aufklärer gelesen und
wollte meinem Volk ein guter Herrscher sein. Die Leute haben mich deshalb – ein
bisschen ehrfurchtslos zwar, wie ich gestehen muss! – Maresi genannt! Und dass
die Schulkinder manchmal böse auf mich sind, versteh ich auch nicht!
Schließlich hab’ ich die Schulpflicht eingeführt!
chönbrunn war mein Lieblingsschloss; jeden Sommer habe ich hier mit meinem
Mann und mit unseren Kindern verbracht; im Winter waren wir in der Hofburg. Wir
hatten viel Spaß im Tiergarten und im Park. Leider sind sechs meiner Kinder
schon gestorben, bevor sie erwachsen wurden. Die übrigen habe ich mit Prinzen
und Prinzessinnen aus Italien, Bayern, Sachsen und Frankreich verheiratet. Ich
bin mit ihnen aber auch nach ihrer Hochzeit, in engem Kontakt geblieben und
habe ihnen geschrieben, wie sie sich verhalten sollen. Besonders über meine
jüngste Tochter, Marie Antoinette, musste ich mich oft ärgern, weil sie sich
nicht so benommen hat, wie es sich für eine Königin von Frankreich gehört
hätte. Das hat ihr schließlich auch den Kopf gekostet.
Mein Sohn Joseph
II.
hat dann viele meiner Reformen weitergeführt; so etwa die Reform des
Gesundheitswesens und die Abschaffung der Leibeigenschaft. Manchmal, so sagt er
mir heute, haben die Leute seinen Leitspruch „Alles für das Volk, aber nichts
durch da Volk!“ nicht verstanden und waren ihm wegen seiner Modernisierungen
böse.
Soviel zu meinem
Leben auf der Erde! Weiter unten findest du 10 Behauptungen über mein Leben.
Ich hoffe, dass du meinen Brief genau gelesen hast; dann wirst du sicher die
richtigen ankreuzen!
Es wünscht dir noch
ein schönes Schuljahr
Deine Kaiserin
Maria Theresia