
Gedanken zur Freiheit- Nachdenkliches zum 16. Geburtstag
Der Zeiger kreist,
es flieht die Stunde.
Das alte Jahr verrinnt.
Die besten Wünsche machen ihre Runde,
damit das neue gut beginnt.
Ob Wünsche wirklich Wahrheit werden?
Die Hoffnung ist in aller Munde.
Haltet sie fest, eh sie zerrinnt!
Was blieb’ den Menschen sonst auf Erden,
wenn sie nicht glaubten wie ein Kind?
Geburtstag.
Keine Korken knallen.
Der Tag beginnt ganz unscheinbar.
Die zugemess’ne Zeit verschwindet Jahr um Jahr,
so regelmäßig wie die Blätter fallen.
Und
immer ferner scheint, was einst geschah.
In der Erinnerung verblasst alles Erlebte.
Es rührt nicht mehr, weshalb das Herz erbebte
und was das Auge unter Tränen sah.
Gedanken zur Freiheit – Nachdenkliches
zum
16. Geburtstag
Du bist nun also 16 Jahr.
Erwachsen fast. Wie wunderbar!
So wunderbar wohl immer nicht,
taucht doch ein neues Wort jetzt auf: die Pflicht!
Ob Nikotin, ob Alkohol:
Unser Gesetz erlaubt sie wohl.
Man darf. Man muss es aber nicht!
Die Qual der Wahl wird nun zur Pflicht.
Freiheit war immer großes Ziel,
doch sie allein taugt noch nicht viel!
Frei sein von allem ist nur Trug.
Frei in der Wahl sein ist genug!
Letztlich besitzt man Freiheit dann,
wenn man sich frei neu binden kann!
Der Frühling tänzelt langsam in das Land.
Zwei Schritte vor, einen zurück.
Die warmen Sonnenstrahlen fehlen noch aufs große
Glück,
und auch die Winterkleidung ist noch nicht verbannt.
Der Dichter schrieb: „Nun muss sich alles wenden!“
Die Skateboards tauchen in den Straßen auf.
So klettert nun das Jahr langsam bergauf,
die Luft wird lauer, Winter muss jetzt enden!
Am Morgen singt die Amsel im Geäst
des knappen Grüns in unsrer grauen Stadt.
Wir alle haben nun der Vögel Schweigen satt,
ersehnen schon das große Frühlingsfest.
Wer meint, die Worte klängen abgedroschen, schal,
weil ähnlich man seit tausend Jahren schreibt,
der merkt es trotzdem: Wenn es abends heller bleibt,
sprechen die Herzen weitre tausend Mal.
Die Vögel singen in den leeren Tag.
Für mich ist dieser Frühling stumm; ich hör sie kaum.
Ich gönne euch den Finkenschlag,
es hör ihn, wer ihn hören mag
und glaube an den schönen Traum!
Die Knospen treiben wahrlich unberührt
vom Leid der Menschen, grünen vor sich hin:
Mein Frühling hat zum Grün der Hoffnung nicht geführt;
kein Blühen hat mein Herz gerührt:
Das Kinderlachen fehlt. Es fehlt der Sinn.
Im Tempel der Vergangenheit
fließt am Altar das Opferblut,
die teuren Bilder meiner Knabenzeit
zu retten vor des Zeitenstromes Flut,
der an den Mauern der Vergänglichkeit
die Feste mehr und mehr erzittern macht!
Doch wenn dem alten Gotte der Unsterblichkeit
das Herzblut seines Opfers dargebracht,
dann wehrt er allen Fluten wieder,
dann blüht ein Frühling auf und tausend Lieder,
die dieser Gott in seinem Tempel weiht;
und eine Kinderstimme längst verlorner Zeit
schwebt Engelslauten gleich im Raum.
Im Blut des Opfers brennt der Lichterbaum.
Breit und schwarz die Linde steht,
Nachtwind in den Bäumen.
Süßer Duft herüberweht,
wie ein fernes Träumen.
Dunkle Nacht, so lau und lind,
über reifem Thronen.
Leise streicht ein warmer Wind
durch die vollen Kronen.
Ferne liegt die Frühlingspracht,
leuchtend weißer Flieder.
Es versank in dieser Nacht
und es kehrt nicht wieder.
Ein Traum entgleitet den liebenden Blicken,
wenn ferne im Dunkeln die Hoffnung verweht.
Das Warten trotz Wissens, das Fürchten und Bitten:
Schwarz senkt sich die Nacht, die begräbt, was noch lebt.
Ich schätze sehr des
Willens Kraft,
von der Vernunft gespeist.
Die Triebe werden sublimiert,
Gefühle schleunigst parodiert,
und letztlich wird nur akzeptiert,
was einer klipp und klar beweist!
Prinzipien und Maß.
Auf einer kerzengraden Bahn
ein tadelloser Ehrenmann!
Auf mich ist jederzeit Verlass.
und Lügen straft den
wahren Kern!
Im Innern fehlt das feste Band!
Nur in der Träume weitem Land
blüht schwach ein kleiner Hoffnungsstern.
Es zieht durch meine
Einsamkeit
ein Sehnen, brennend tief.
Kein weißes Segel leuchtet heut
vor meiner Insel schroffem Riff.

Und wieder zieht ein Sommer übers Land.
Es blühen süßlich duftend alle Linden.
Warum, Herz, kannst du keine Ruhe finden?
Was jetzt noch folgt, ist dir doch längst bekannt!
Der
süße Duft der Linden ist bloß Trug.
Du kannst nur and're bei der Ernte sehen.
Der Herbstwind wird die letzte Spur von dir verwehen.
Was du auch tatest, es war nicht genug.
Du hast
die Wahl - entscheide mit Bedacht!
In Demut alles schweigend zu ertragen
und ohne Antwort sein auf tausend Fragen.
Oder: den Schritt zu wagen in die ungewisse Nacht.
Wieder ist die Urlaubszeit vorbei.
Man kehrt zurück ins Dächermeer der Stadt,
beginnt von neuem mit dem ew’gen
Einerlei.
Der Himmel ist nun öfters grau bedeckt.
Die ersten Blätter fallen von den müden Bäumen
und haben leise schon den Herbst erweckt.
Natur, so trüb wie wir es sind,
bereitet sich zum Winterschlafe vor.
Ein Jahr ist wieder um. Die Zeit verrinnt…
In alten Linden klingt der Sommer
aus.
Die braunen Früchte warten auf den Wind.
Sie warten, bis die Blätter müde sind,
bis grün der See und stiller manches Haus.
Ganz einsam fährt ein Boot
den See hinaus.
Auch wer gern schwimmt, dem ist es nun zu kühl.
Manch gelbes Blatt im grünen Blattgewühl
weist uns nun alle früher in das Haus.
Das Jahr schreitet voran, wir
folgen nach.
Wir sind die Frucht und sind das Blatt.
Wer ist der Wind, der uns zu lenken hat?
Wann fallen wir? – Und was kommt danach?
Von der Anhöhe geht es hinein.
Weg von der Stadt – hinein in den Wein.
Der Maische Geruch erfüllt hier die
Luft.
Wie schrieb doch der Dichter? Die Erinnerung ruft!
„Dort unten verdämmert das Leid.“
Doch was bindet mich an das Heut?
Wo „schwimmt mir ein silbernes Band“,
wie der Dichter die Hoffnung genannt?
Ich sinne und schau auf den Wein
und bleib in der Dämm’rung allein…
Zitat aus Josef
Weinhebers Gedicht „Grinzinger Weinsteig“ aus <Wien wörtlich>)

Kann
denn der Sommer nicht
bald enden?
Die Tage sind so lang, so grell die Zeit.
Der Herbst wird alles hin zur Stille wenden:
Ich lieb sie sehr, die Abendeinsamkeit.
Und leise werden kahl die
letzten Bäume.
Das Laub verbirgt die Unzulänglichkeit.
Im Herbst erst weisen sich die Sommerträume
als hohle Ziele unsrer lauten Zeit.
Die Nebel sind doch sanfte
Mauern,
die schützen vor der Menschen lautem Tun!
Es quält kein Sehnen mehr und kein Bedauern
und unsre Seele darf in Gleichmut ruh'n.
Die Blätter fallen. Leise Verklungenem
folgt Herbst nun trübe, sturmesgewaltiger,
die Erde bergend grau in Nebel,
ewigen Wandel getreu erfüllend.
Die Wälder sind nun fast schon abgebrannt
und nach dem Grün sind Rot und Gelb verschwunden.
Bald hab ich's nicht mehr in der eig'nen Hand;
und immer öfter schau ich unverwandt
auf meine Lebensuhr und auf des Zeigers ungebremste Runden.
Es heißt: Ich muss aus dir ein' andern bauen.
Der Dichter schrieb 's - ich nehm es zögernd hin.
Mir fehlt das große Gottvertrauen;
auf etwas Unvergängliches zu bauen,
das will mir einfach nicht in meinen Sinn!
Am Abend kommt jetzt früh die Dunkelheit.
Die lange Nacht lässt langes Grübeln zu.
Nun ist der eig’ne Spätherbst wahrlich nicht mehr weit;
sie ist bemessen, uns're karge Zeit.
So sag ich zur Vergänglichkeit nun leise: Du.
Zitat aus Peter Rosseggers „Auch der andre, der bist du“

Die Worte sind mir ausgegangen.
Ich
steh im gelben Wein.
Mit allen Sinnen ganz vom Gestern eingefangen;
und alles in mir drängt mich: Lass es sein!
Der
Herbst ist nicht die Zeit zu handeln.
Die Nebel sind zu dicht!
Die Bilder der Vergangenheit in Stärken zu verwandeln,
die Schatten durchzusteh’n in neuem Licht.
So
müde wie das Laub der Bäume
durchwand’re ich den Wein.
Kann etwas werden ohne bunte Zukunftsträume?
Es sagt der Wille: Ja! Doch das Gefühl sagt: Nein!

Jetzt
sind sie kahl. Man sagt: Sie schlafen..
Die Erde ist von ihren Blättern weich bedeckt.
Wo unsre Blicke jüngst noch grüne Kronen trafen,
dort hat der Spätherbst seine Nebel abgelegt.
Sei furchtlos, Baum! Beginn
dein Träumen!
Es tickt die Zeit auch für das Wiederauferstehen.
Sogar die kalten Winde in den Winterbäumen
können den Traum der Frühlingshoffnung nicht verwehen!
Auch du, o Mensch, bist
Kommen und bist Gehen
und fragst, wenn sich der Winter leise naht:
Gibt's auch für mich ein Frühlingsauferstehen?
Bin ich noch Stamm oder bin ich das welke Blatt?
In den Straßen ist ein lautes Treiben.
Birnen flimmern hell.
An den Häusern locken Lichterscheiben,
blendend falscher Prunk nur, ein Sich - Zeigen.
Alles wirkt gefühllos, kalt und grell.
An den Drähten hängen tausend Kerzen.
Künstlich, leer ihr Licht.
Fest des Friedens, kaum noch in den Herzen.
An den Drähten baumeln gelbe Kerzen.
Friede, Liebe, Stille kennt man nicht.
Nacht, die du heilig genannt,
warst einst Geheimnis und strahlender Stern,
als ich noch gläubig und tief dich empfand.
Aber den Harfenklang fern,
hört nur das Kind, dem ich nicht mehr verwandt.
Schwarz ist die Nacht unter blutdunklem Stern.
Ein
neues Jahr – schon wieder!
Mir hängt das alte noch zum Halse raus.
Betrunk’ne grölen ihre Lieder
und SMS geh’n in die Welt hinaus.
Ein
neues Jahr – schon wieder?
Wird’s besser dieses neue Jahr?
Vor alten Bräuchen knien wir Menschen nieder
und Lärm deckt zu, was sonst kaum annehmbar!
Dass
wir in Demut und in Stille
erkennen, dass wir Menschen endlich sind;
nur Wanderer durch diese Erdenfülle,
denen ihr Zeitgeschenk doch viel zu schnell verrinnt.
In der Erinnerung verschwimmen Gut und Böse,
beziehungslos, als wär’s ein ferner Traum.
Die Dinge scheinen so, als löse
morsch die Rinde sich vom kahlen Baum.
Nicht Hass, nicht Liebe mehr!
Nichts lässt uns ahnen, was wir einst empfanden.
Gleichgültig sagen wir – fast nebenbei – die Namen her,
von Menschen, die wir einmal kannten…